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Am Montag, dem 21. August 1911, war der Louvre für Besucher geschlossen. Nur Personal war im Haus, und dazwischen ein kleiner italienischer Handwerker namens Vincenzo Peruggia. Er kannte das Museum gut, denn er hatte selbst dort gearbeitet und unter anderem die Schutzkästen für die Gemälde mitgebaut. Auch für die Mona Lisa. Er wusste also genau, wie man sie von der Wand nimmt.

Peruggia hängte das Bild ab, trug es in ein Treppenhaus, löste es aus dem schweren Rahmen und dem Glaskasten und steckte die nackte Holztafel unter seinen weißen Arbeitskittel. Dann ging er zum Ausgang. Eine Tür klemmte, ein herbeigerufener Klempner half ihm sogar, sie zu öffnen. So spazierte er mit dem berühmtesten Gemälde der Welt unter dem Arm auf die Straße.

28 Stunden, bis es überhaupt jemand merkte

Das Verblüffende ist nicht der Diebstahl. Es ist, wie lange niemand ihn bemerkte. Erst am nächsten Tag fiel einem Maler auf, dass an der Wand nur noch vier Haken hingen. Das Personal hatte angenommen, das Bild sei zum Fotografieren abgehängt worden. Als die Wahrheit feststand, schloss der Louvre für eine Woche, und ganz Frankreich stand kopf. Die Grenzen wurden kontrolliert, Bahnhöfe durchsucht, und für kurze Zeit gerieten sogar der Dichter Guillaume Apollinaire und ein junger Maler namens Pablo Picasso unter Verdacht. Beide hatten mit der Sache nichts zu tun.

Peruggia hatte die Mona Lisa unterdessen in seiner schäbigen Pariser Wohnung. Er bewahrte sie in einem Koffer mit doppeltem Boden auf, unter seinem eigenen Bett. Zwei Jahre lang. Die Polizei hatte ihn sogar befragt, weil er früher im Louvre gearbeitet hatte, und ihn wieder gehen lassen.

Patriot oder einfach ungeduldig?

Peruggia erzählte später, er habe das Bild nach Italien „heimholen“ wollen, dorthin, wo Leonardo es gemalt hatte. Eine schöne Geschichte, die ihm viel Sympathie einbrachte. Nur stimmte sie nicht ganz. Denn 1913 schrieb er an einen Kunsthändler in Florenz, Alfredo Geri, und bot das Bild gegen eine hohe Summe an. Geri und der Direktor der Uffizien spielten mit, ließen sich das Gemälde zeigen, bestätigten die Echtheit und riefen die Polizei. Peruggia wartete im Hotelzimmer auf sein Geld und bekam stattdessen Handschellen.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Vincenzo Peruggia, italienischer Anstreicher und Glaser
  • Der Coup: Diebstahl der Mona Lisa aus dem Louvre
  • Schauplatz: Paris, später Florenz
  • Jahr: 1911 bis 1913
  • Wichtigstes Werkzeug: Insiderwissen und ein weißer Arbeitskittel
  • Was danach geschah: gut sieben Monate Haft, in Italien als halber Volksheld gefeiert

In Italien behandelte man ihn beinahe wie einen Nationalhelden. Das Gericht verurteilte ihn zu etwas mehr als einem Jahr, im Berufungsverfahren wurde die Strafe auf gut sieben Monate gekürzt. Die Mona Lisa reiste als Star durch italienische Museen und kehrte dann nach Paris zurück. Die eigentliche Pointe: Vor dem Diebstahl war das Bild ein geschätztes Werk unter vielen. Erst der Raub, die Schlagzeilen und die zwei Jahre unter dem Bett machten es zum berühmtesten Gemälde der Welt. Peruggia wollte es stehlen. Stattdessen hat er es unsterblich gemacht.

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