Die cleversten Gauner der Geschichte

Kategorie: Kunst & Fälschung

Der Fälscher, den nur eine Farbtube stoppen konnte

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Wolfgang Beltracchi hatte ein seltenes Talent: Er konnte malen wie die großen Meister der Moderne. Max Ernst, Heinrich Campendonk, André Derain, ihre Handschrift beherrschte er so gut, dass er nicht kopierte, sondern in ihrem Stil ganz neue Bilder erfand. Nur signierte er sie nicht mit seinem eigenen Namen. Er hätte ein gefeierter Künstler werden können. Stattdessen wurde er der vielleicht beste Kunstfälscher der Neuzeit.

Sein Betrug bestand aus wesentlich mehr als simplen Fälschungen. Beltracchi kopierte keine bestehenden Bilder, sondern malte neue Werke im Stil der Meister, sogenannte Pastiches. Dabei suchte er gezielt nach Gemälden, die in alten Katalogen erwähnt, aber als „verschollen“ gelistet waren. Damit füllte er die Lücken in den Werkverzeichnissen der Meister, und genau das machte seine Fälschungen so schwer zu entlarven. Man konnte sie mit keinem Original vergleichen, weil es keines gab.

Die perfekte Herkunftsgeschichte

Ein gefälschtes Bild allein reicht nicht, es braucht eine Geschichte, woher es kommt. Auch die erfand Beltracchi. Er behauptete, die Werke stammten aus einer alten Sammlung seiner Familie. Um das zu beweisen, inszenierte seine Frau alte Fotos: Sie posierte als ihre eigene Großmutter, zwischen den Gemälden an der Wand, aufgenommen mit einer Vorkriegskamera auf altem Fotopapier. Perfekt gealterte Beweise für eine Sammlung, die nie existiert hat.

So überzeugte er die höchsten Instanzen des Kunstmarkts. Renommierte Experten begutachteten seine Bilder und erklärten sie für echt, Auktionshäuser versteigerten sie. Der führende Experte für Max Ernst bestätigte gleich sieben von Beltracchis Fälschungen als echt. Allein die vierzehn Bilder, für die er später verurteilt wurde, wurden für rund 45 Millionen Dollar verkauft, und Schätzungen zum Gesamtschaden liegen weit höher.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Wolfgang Beltracchi, deutscher Maler und Meisterfälscher
  • Der Coup: erfundene „verschollene“ Werke berühmter Moderne-Maler, als Originale verkauft
  • Schauplatz: Deutschland und der internationale Kunstmarkt
  • Jahr: über Jahrzehnte, aufgeflogen 2010
  • Beute: allein die 14 verurteilten Bilder rund 45 Mio. Dollar, der Gesamtschaden gilt als weit höher
  • Was danach geschah: 2011 verurteilt, offener Vollzug, wurde zur Medienfigur

Eine Tube Farbe bringt alles zum Einsturz

Am Ende scheiterte das perfekte System an einem Detail, das kleiner nicht sein könnte. 2006 wurde ein angebliches Campendonk-Gemälde von 1914, „Rotes Bild mit Pferden“, für 2,88 Millionen Euro verkauft. Der Käufer wurde misstrauisch und ließ die Farbe untersuchen. Das Ergebnis: Im Weiß steckte Titanweiß, ein Pigment, das es zur angeblichen Entstehungszeit noch gar nicht zu kaufen gab. Beltracchi mischte seine Farben sonst selbst, gerade um solche Fehler zu vermeiden. Dieses eine Mal vertraute er einer fertig gekauften Tube, in der das falsche Pigment steckte, ohne dass es auf dem Etikett stand.

Damit fiel das ganze Kartenhaus zusammen. 2011 wurde Beltracchi zu sechs Jahren Haft verurteilt, seine Frau zu vier. Angeklagt waren nur vierzehn Bilder, weil viele seiner Taten längst verjährt waren. Wie viele seiner Fälschungen bis heute unerkannt in Museen und Wohnzimmern hängen, weiß niemand. Seine Strafe saß er im offenen Vollzug ab, danach gab er Interviews, schrieb ein Buch und wurde zur Berühmtheit. Der Mann, der die arrogante Kunstwelt jahrzehntelang zum Narren hielt, scheiterte nicht an einem Experten, sondern an einer Tube Farbe.

Mehr zum Fall

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Der Fälscher, der beweisen musste, dass er fälscht

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Han van Meegeren wollte gefeiert werden, doch die Kritiker zerrissen ihn. Zu altmodisch, zu wenig eigen, ein Maler von gestern. Für einen ehrgeizigen Künstler in den Niederlanden der 1930er Jahre war das ein Urteil, das wehtat. Van Meegeren beschloss, sich zu rächen, und zwar auf die eleganteste Art, die einem Maler einfällt: Er würde beweisen, dass genau diese Experten keine Ahnung hatten.

Sein Plan war so verwegen wie geduldig. Er wollte einen Vermeer fälschen, den größten Meister seines Landes, und ihn den Fachleuten als echt unterschieben. Gelänge das, wäre nicht er der Blamierte, sondern die Kunstwelt, die ihn abgeschrieben hatte.

Ein Meisterwerk, das keiner kannte

Van Meegeren ging die Sache an wie ein Wissenschaftler. Er kaufte alte, wertlose Gemälde aus der richtigen Epoche, um echte Leinwand und alte Rahmen zu haben. Er mischte seine Farben nach alten Rezepten und fand einen Weg, die frische Farbe im Ofen so zu härten, dass sie Jahrhunderte alt wirkte, samt der feinen Rissschicht, die echte alte Bilder haben. Dann malte er kein bekanntes Vermeer-Motiv nach, sondern erfand ein neues: eine religiöse Szene, wie man sie von Vermeer bisher nicht kannte. So konnte niemand vergleichen und behaupten, das Original hänge doch woanders.

Das Ergebnis, „Die Emmausjünger“, wurde 1937 als Sensation gefeiert. Einer der angesehensten Kunstkenner des Landes erklärte es zum vielleicht schönsten Vermeer überhaupt. Das Bild kam für eine gewaltige Summe in ein Museum. Van Meegeren hatte gewonnen, nur wusste es keiner außer ihm.

Die Rache wird zum Geschäft

Und hier zeigte sich der Mensch. Statt sich still zu freuen, machte van Meegeren weiter. Aus der einmaligen Rache wurde ein Geschäft. Er fälschte weitere Vermeer und verkaufte sie für ein Vermögen. Der verspottete Maler war plötzlich reich, gefeiert von genau den Leuten, die ihn nie ernst genommen hatten. Der Triumph über seine Kritiker hätte ihm genügen müssen. Doch die Gier war stärker.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Han van Meegeren, verkannter Maler und Meisterfälscher
  • Der Coup: gefälschte Vermeer, die als verschollene Meisterwerke gefeiert wurden
  • Schauplatz: Niederlande
  • Jahr: 1937 bis 1947
  • Wichtigstes Werkzeug: alte Leinwände, ein Ofen und die Eitelkeit der Experten
  • Was danach geschah: musste seine eigene Fälschung beweisen, wurde zum Publikumsliebling, starb 1947

Das unglaublichste Geständnis der Kunstgeschichte

Nach dem Krieg holte ihn seine eigene Meisterschaft ein. Einer seiner falschen Vermeer wurde zurückverfolgt, und man warf ihm vor, ein nationales Kulturgut außer Landes verkauft zu haben, ein schweres Verbrechen, auf das eine harte Strafe stand. Van Meegeren stand vor einer bitteren Wahl: als Verräter dastehen oder die Wahrheit sagen, die ihm niemand glauben würde.

Er entschied sich für die Wahrheit und behauptete das Unfassbare: Das gefeierte Meisterwerk sei gar kein Vermeer, sondern seine eigene Fälschung. Niemand glaubte ihm. Also tat er das Einzige, was übrig blieb. Unter Aufsicht malte er einen neuen Vermeer, Pinselstrich für Pinselstrich, vor den Augen der Fachleute. Am Ende mussten sie zugeben, was jahrelang undenkbar gewesen war: Sie waren einem Maler auf den Leim gegangen, den sie selbst für unbegabt erklärt hatten.

Aus dem angeblichen Verräter wurde über Nacht ein Publikumsliebling, der Mann, der die hochnäsige Kunstwelt vorgeführt hatte. Wegen der Fälschungen wurde er dennoch verurteilt, zu einem Jahr Haft. Antreten musste er sie nicht mehr: Han van Meegeren starb 1947, wenige Wochen nach dem Urteil. Seine größte Leistung war am Ende keine Fälschung, sondern der Vermeer, den er vor den Augen der Fachleute malte, um sich selbst zu überführen.

Passend zum Fall

Lust, selbst einmal einen alten Meister nachzumalen, ganz legal und ohne Gerichtsverfahren? Mit Malen nach Zahlen wirst du für einen Abend zum Kunstfälscher.

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Wie ein Handwerker die Mona Lisa unter dem Kittel aus dem Louvre trug

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Am Montag, dem 21. August 1911, war der Louvre für Besucher geschlossen. Nur Personal war im Haus, und dazwischen ein kleiner italienischer Handwerker namens Vincenzo Peruggia. Er kannte das Museum gut, denn er hatte selbst dort gearbeitet und unter anderem die Schutzkästen für die Gemälde mitgebaut. Auch für die Mona Lisa. Er wusste also genau, wie man sie von der Wand nimmt.

Peruggia hängte das Bild ab, trug es in ein Treppenhaus, löste es aus dem schweren Rahmen und dem Glaskasten und steckte die nackte Holztafel unter seinen weißen Arbeitskittel. Dann ging er zum Ausgang. Eine Tür klemmte, ein herbeigerufener Klempner half ihm sogar, sie zu öffnen. So spazierte er mit dem berühmtesten Gemälde der Welt unter dem Arm auf die Straße.

28 Stunden, bis es überhaupt jemand merkte

Das Verblüffende ist nicht der Diebstahl. Es ist, wie lange niemand ihn bemerkte. Erst am nächsten Tag fiel einem Maler auf, dass an der Wand nur noch vier Haken hingen. Das Personal hatte angenommen, das Bild sei zum Fotografieren abgehängt worden. Als die Wahrheit feststand, schloss der Louvre für eine Woche, und ganz Frankreich stand kopf. Die Grenzen wurden kontrolliert, Bahnhöfe durchsucht, und für kurze Zeit gerieten sogar der Dichter Guillaume Apollinaire und ein junger Maler namens Pablo Picasso unter Verdacht. Beide hatten mit der Sache nichts zu tun.

Peruggia hatte die Mona Lisa unterdessen in seiner schäbigen Pariser Wohnung. Er bewahrte sie in einem Koffer mit doppeltem Boden auf, unter seinem eigenen Bett. Zwei Jahre lang. Die Polizei hatte ihn sogar befragt, weil er früher im Louvre gearbeitet hatte, und ihn wieder gehen lassen.

Patriot oder einfach ungeduldig?

Peruggia erzählte später, er habe das Bild nach Italien „heimholen“ wollen, dorthin, wo Leonardo es gemalt hatte. Eine schöne Geschichte, die ihm viel Sympathie einbrachte. Nur stimmte sie nicht ganz. Denn 1913 schrieb er an einen Kunsthändler in Florenz, Alfredo Geri, und bot das Bild gegen eine hohe Summe an. Geri und der Direktor der Uffizien spielten mit, ließen sich das Gemälde zeigen, bestätigten die Echtheit und riefen die Polizei. Peruggia wartete im Hotelzimmer auf sein Geld und bekam stattdessen Handschellen.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Vincenzo Peruggia, italienischer Anstreicher und Glaser
  • Der Coup: Diebstahl der Mona Lisa aus dem Louvre
  • Schauplatz: Paris, später Florenz
  • Jahr: 1911 bis 1913
  • Wichtigstes Werkzeug: Insiderwissen und ein weißer Arbeitskittel
  • Was danach geschah: gut sieben Monate Haft, in Italien als halber Volksheld gefeiert

In Italien behandelte man ihn beinahe wie einen Nationalhelden. Das Gericht verurteilte ihn zu etwas mehr als einem Jahr, im Berufungsverfahren wurde die Strafe auf gut sieben Monate gekürzt. Die Mona Lisa reiste als Star durch italienische Museen und kehrte dann nach Paris zurück. Die eigentliche Pointe: Vor dem Diebstahl war das Bild ein geschätztes Werk unter vielen. Erst der Raub, die Schlagzeilen und die zwei Jahre unter dem Bett machten es zum berühmtesten Gemälde der Welt. Peruggia wollte es stehlen. Stattdessen hat er es unsterblich gemacht.

Mehr zum Fall

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