Die cleversten Gauner der Geschichte

Monat: August 2026

Der Spiderman von Paris und die Bilder, die niemand wiedersah

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In der Nacht auf den 20. Mai 2010 schlief Paris, und im Museum für moderne Kunst der Stadt hingen Werke im Wert von über hundert Millionen an den Wänden. Am Morgen fehlten fünf davon. Kein aufgebrochener Tresor, keine zerschossene Tür, kein Schuss, kein Zeuge. Nur leere Rahmen und ein Fenster, das jemand geöffnet hatte. Der Mann, der dafür sorgte, hieß Vjeran Tomic, und die Presse gab ihm später einen Namen, der hängen blieb: der Spiderman von Paris.

Den Spitznamen hatte er sich verdient. Tomic kletterte an Fassaden hoch, an denen andere nicht einmal einen Halt sahen. Einbrüche in obere Stockwerke, über Dächer, an glatten Wänden, das war seine Handschrift. In dieser Nacht brauchte er nicht einmal seine spektakulärsten Kunststücke. Er durchtrennte das Vorhängeschloss an einem Gitter, löste vorsichtig eine Fensterscheibe heraus und stieg ein. Ganz allein.

Ein Alarm, der schwieg

Was den Coup erst möglich machte, klingt fast zu banal für einen Raub dieser Größe: Die Alarmanlage des Museums war kaputt. Nicht erst seit Kurzem, sondern seit Wochen, und sie wartete noch immer auf ihre Reparatur. Die Bewegungsmelder, die einen Eindringling hätten verraten müssen, meldeten nichts. Wachen waren im Haus, doch sie bemerkten von alldem nichts. Tomic konnte sich in Ruhe durch die dunklen Säle bewegen, während in der Technik alles still blieb, was hätte anschlagen müssen.

Eigentlich war sein Auftrag klein. Ein Kunsthändler hatte ihn auf ein einziges Bild angesetzt, ein Stillleben von Fernand Léger. Doch als klar wurde, dass kein Alarm losging und ihn niemand störte, wuchs der Appetit. Tomic nahm einfach mit, was ihm gefiel. Am Ende trug er fünf Meisterwerke aus dem Haus: Picassos „Taube mit grünen Erbsen“, Matisse’ „Pastorale“, einen Braque, einen Modigliani und den Léger, für den er gekommen war. Zusammen war das einer der größten Kunstraube der Geschichte, der größte, den Frankreich je gesehen hat.

Und dann verschwanden die Bilder

Ein Coup ist das eine, das Danach das andere. Genau hier nimmt die Geschichte ihre bitterste Wendung. Tomic hatte zwei Mittäter: den Kunsthändler, der den Auftrag für den Léger gegeben hatte, und einen Uhrenhändler namens Yonathan Birn, der die Bilder verstecken sollte. Über sie kamen die Ermittler Tomic schließlich auf die Spur.

2017 standen alle drei vor Gericht. Tomic wurde zu acht Jahren Haft verurteilt, seine beiden Mittäter zu sieben und sechs Jahren, dazu Schadenersatz von rund hundertvier Millionen Euro. Doch die eine Frage, die alle bewegte, blieb offen: Wo sind die fünf Gemälde?

Birns Antwort ließ den Gerichtssaal erstarren. Unter Tränen sagte er dreimal denselben Satz: Er habe die Bilder in einen Müllcontainer geworfen. Aus Panik, als er glaubte, die Polizei sei ihm dicht auf den Fersen, habe er Werke von Picasso, Matisse, Braque, Modigliani und Léger einfach in den Abfall gegeben und sie so von der Müllabfuhr abholen lassen. Rund hundert Millionen, entsorgt wie alter Kram.

Geglaubt hat es ihm kaum jemand. Seine Mitangeklagten hielten ihn für viel zu clever, um solche Schätze zu vernichten. Und die Ermittler sind bis heute überzeugt, dass die Bilder gar nicht im Müll landeten, sondern längst ins Ausland geschafft wurden. Beweisen konnte es niemand. So bleibt der größte Kunstraub Frankreichs bis heute ungelöst: fünf Meisterwerke, spurlos verschwunden, und niemand weiß, ob sie in einer Müllpresse endeten oder irgendwo auf der Welt an einer fremden Wand hängen.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Vjeran Tomic, genannt der „Spiderman von Paris“
  • Der Coup: stieg allein durch ein Fenster ins Museum und nahm fünf Meisterwerke mit
  • Schauplatz: Museum für moderne Kunst der Stadt Paris
  • Jahr: 2010
  • Beute: Bilder von Picasso, Matisse, Braque, Modigliani und Léger, Wert rund 100 Millionen
  • Was danach geschah: 2017 zu acht Jahren Haft verurteilt; die Bilder sind bis heute verschwunden

Passend zum Fall

Wer wissen will, wie dieser Mann wirklich tickte und was hinter dem größten Kunstraub Frankreichs steckt, liest die ganze Geschichte am besten am Stück. Sie liest sich wie ein Krimi und ist trotzdem wahr.

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Der Fälscher, den nur eine Farbtube stoppen konnte

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Wolfgang Beltracchi hatte ein seltenes Talent: Er konnte malen wie die großen Meister der Moderne. Max Ernst, Heinrich Campendonk, André Derain, ihre Handschrift beherrschte er so gut, dass er nicht kopierte, sondern in ihrem Stil ganz neue Bilder erfand. Nur signierte er sie nicht mit seinem eigenen Namen. Er hätte ein gefeierter Künstler werden können. Stattdessen wurde er der vielleicht beste Kunstfälscher der Neuzeit.

Sein Betrug bestand aus wesentlich mehr als simplen Fälschungen. Beltracchi kopierte keine bestehenden Bilder, sondern malte neue Werke im Stil der Meister, sogenannte Pastiches. Dabei suchte er gezielt nach Gemälden, die in alten Katalogen erwähnt, aber als „verschollen“ gelistet waren. Damit füllte er die Lücken in den Werkverzeichnissen der Meister, und genau das machte seine Fälschungen so schwer zu entlarven. Man konnte sie mit keinem Original vergleichen, weil es keines gab.

Die perfekte Herkunftsgeschichte

Ein gefälschtes Bild allein reicht nicht, es braucht eine Geschichte, woher es kommt. Auch die erfand Beltracchi. Er behauptete, die Werke stammten aus einer alten Sammlung seiner Familie. Um das zu beweisen, inszenierte seine Frau alte Fotos: Sie posierte als ihre eigene Großmutter, zwischen den Gemälden an der Wand, aufgenommen mit einer Vorkriegskamera auf altem Fotopapier. Perfekt gealterte Beweise für eine Sammlung, die nie existiert hat.

So überzeugte er die höchsten Instanzen des Kunstmarkts. Renommierte Experten begutachteten seine Bilder und erklärten sie für echt, Auktionshäuser versteigerten sie. Der führende Experte für Max Ernst bestätigte gleich sieben von Beltracchis Fälschungen als echt. Allein die vierzehn Bilder, für die er später verurteilt wurde, wurden für rund 45 Millionen Dollar verkauft, und Schätzungen zum Gesamtschaden liegen weit höher.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Wolfgang Beltracchi, deutscher Maler und Meisterfälscher
  • Der Coup: erfundene „verschollene“ Werke berühmter Moderne-Maler, als Originale verkauft
  • Schauplatz: Deutschland und der internationale Kunstmarkt
  • Jahr: über Jahrzehnte, aufgeflogen 2010
  • Beute: allein die 14 verurteilten Bilder rund 45 Mio. Dollar, der Gesamtschaden gilt als weit höher
  • Was danach geschah: 2011 verurteilt, offener Vollzug, wurde zur Medienfigur

Eine Tube Farbe bringt alles zum Einsturz

Am Ende scheiterte das perfekte System an einem Detail, das kleiner nicht sein könnte. 2006 wurde ein angebliches Campendonk-Gemälde von 1914, „Rotes Bild mit Pferden“, für 2,88 Millionen Euro verkauft. Der Käufer wurde misstrauisch und ließ die Farbe untersuchen. Das Ergebnis: Im Weiß steckte Titanweiß, ein Pigment, das es zur angeblichen Entstehungszeit noch gar nicht zu kaufen gab. Beltracchi mischte seine Farben sonst selbst, gerade um solche Fehler zu vermeiden. Dieses eine Mal vertraute er einer fertig gekauften Tube, in der das falsche Pigment steckte, ohne dass es auf dem Etikett stand.

Damit fiel das ganze Kartenhaus zusammen. 2011 wurde Beltracchi zu sechs Jahren Haft verurteilt, seine Frau zu vier. Angeklagt waren nur vierzehn Bilder, weil viele seiner Taten längst verjährt waren. Wie viele seiner Fälschungen bis heute unerkannt in Museen und Wohnzimmern hängen, weiß niemand. Seine Strafe saß er im offenen Vollzug ab, danach gab er Interviews, schrieb ein Buch und wurde zur Berühmtheit. Der Mann, der die arrogante Kunstwelt jahrzehntelang zum Narren hielt, scheiterte nicht an einem Experten, sondern an einer Tube Farbe.

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Die Erbin, die es nie gab

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Anna Sorokin wuchs in Deutschland auf, in einer ganz normalen Familie in der Nähe von Aachen. Ein paar Jahre später bewegte sie sich durch die New Yorker Oberschicht, als hätte sie nie etwas anderes gekannt. Aus Anna Sorokin war Anna Delvey geworden, eine deutsche Erbin mit angeblich sechzig Millionen Euro auf einem Treuhandkonto. Das Vermögen gab es nicht. Alles andere spielte sie perfekt.

Ihr Werkzeug war kein Trick und kein Schloss, sondern das Auftreten. Teure Kleidung, hundert Dollar Trinkgeld für den Concierge, die richtigen Namen im richtigen Moment. Wer so selbstverständlich auftritt, wird selten gefragt, ob er auch zahlen kann. Genau darauf baute sie.

Luxus auf Pump

Anna Delvey wohnte in noblen Boutique-Hotels und schob die Rechnung vor sich her. Sie lud Bekannte zu teuren Essen und Reisen ein und ließ am Ende gern andere zahlen. Eine Freundin blieb nach einem gemeinsamen Luxusurlaub in Marokko auf einer Rechnung von rund sechzigtausend Dollar sitzen. Anna gab weiter die sorglose Erbin, für die Geld nie eine Frage war.

Ihr großer Plan war kein Diebstahl, sondern ein Aufstieg. Sie wollte einen exklusiven Kunstclub gründen, die „Anna Delvey Foundation“, und klapperte dafür Banken und Investoren ab. Es ging um einen Kredit von rund zweiundzwanzig Millionen Dollar. Und sie kam erstaunlich weit. Fachleute prüften ihre Unterlagen, eine Bank soll ihr sogar einen Vorschuss gewährt haben. Alles auf Basis eines Reichtums, den es nie gegeben hat.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Anna Sorokin, alias „Anna Delvey“, in Deutschland aufgewachsen
  • Der Coup: gab sich als Millionenerbin aus und prellte Hotels, Banken und Bekannte
  • Schauplatz: New York
  • Jahr: etwa 2013 bis 2017
  • Schaden: rund 275.000 Dollar erbeutet, angepeilt hatte sie 22 Millionen
  • Was danach geschah: 2019 verurteilt, wurde zur Pop-Ikone samt Netflix-Serie

Der Bluff fliegt auf

Irgendwann holte die Wirklichkeit sie ein. Hotels bestanden auf Bezahlung, Schecks platzten, Rechnungen blieben offen, und die Bekannten, die auf ihren Kosten sitzen geblieben waren, verloren die Geduld. 2017 wurde Anna Sorokin verhaftet. Zwei Jahre später verurteilte sie ein Gericht in New York wegen Betrugs und Diebstahls von Dienstleistungen zu mehreren Jahren Haft.

Das Bemerkenswerte ist nicht, dass sie aufflog, sondern wie lange es gut ging. Niemand hatte ernsthaft nachgeprüft, weil alle glauben wollten, was sie sahen. Anna Delvey führte einer ganzen Stadt vor, wie leicht sich Status vortäuschen lässt, wenn man nur überzeugend genug so tut, als gehöre man dazu. Reue zeigte sie kaum. Aus der Hochstaplerin wurde eine Berühmtheit, samt Serie und Schlagzeilen. In gewisser Weise ist ihr der größte Bluff also doch geglückt.

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Der unknackbare Tresor und das halbe Brötchen

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Im Diamantenviertel von Antwerpen lagerten die Reichen ihre Schätze im Tresorraum des Diamantenzentrums, der als einer der sichersten der Welt galt. Zwei Stockwerke unter der Erde, hinter einer Stahltür mit einem Schloss, das hundert Millionen Kombinationen kannte, gesichert durch Wärmesensoren, Bewegungsmelder, ein Magnetfeld an der Tür und Wachen rund um die Uhr. Wer hier ein Schließfach mietete, hielt sein Eigentum für unantastbar.

Leonardo Notarbartolo sah das anders, und seine stärkste Waffe war kein Werkzeug, sondern Vertrauen. Der Italiener hatte sich über Jahre, als Diamantenhändler getarnt, ein Büro im Gebäude gemietet und damit ganz automatisch ein eigenes Schließfach im Tresor sowie einen Ausweis bekommen, der ihm rund um die Uhr Zutritt verschaffte. Als zahlender Mieter durfte er ein und aus gehen, auch in den Tresorraum, ohne dass es irgendjemanden wunderte. So konnte er in aller Ruhe die Abläufe, die Wachen, die Kameras und die Sensoren studieren, eine winzige Kamera anbringen und den Wärmemelder präparieren. An einem originalgetreu nachgebauten Tresor soll die Bande den Einbruch vorab geübt haben, und die Überwachungsbänder des Gebäudes tauschte sie gegen präparierte Aufnahmen, damit von alldem nichts festgehalten wurde. Am Ende kannte Notarbartolo das angeblich uneinnehmbare System besser als mancher, der es gebaut hatte.

Ein Wochenende, jedes System ausgetrickst

An einem Wochenende im Februar 2003 schlug die Bande zu, die von den Ermittlern später „School of Turin“ getauft wurde. Den schwersten Brocken hatte sie da längst geknackt. Über Monate hatte eine winzige, versteckte Kamera jede Eingabe am Zahlenschloss der Tresortür aufgezeichnet und so die vollständige Kombination verraten. Den Code kannten die Diebe also auswendig, bevor sie ihn zum ersten Mal selbst eintippten. Blieben die Sicherheitssysteme im Inneren des Tresorraums. Den Infrarotmelder, der jede Körperwärme aufspüren sollte, klebten sie mit einer Styroporplatte zu und überzogen ihn mit Haarspray und Vaseline, bis er für ihre Wärme blind war. Den Magnetkontakt an der tonnenschweren Stahltür, der bei jeder Öffnung hätte anschlagen müssen, überbrückten sie mit einer eigens gebauten Aluminiumplatte, sodass die Anlage brav weitermeldete: Tür zu, alles ruhig. So arbeiteten sie sich durch einen der sichersten Tresorräume der Welt, während ringsum jede Technik behauptete, es sei nichts geschehen. Millionenteure Hochsicherheit, ausgehebelt mit einer versteckten Kamera, einer Platte Styropor und einer Dose Haarspray.

Im Tresorraum öffneten sie mehr als hundert der knapp zweihundert Schließfächer. Was sie heraustrugen, wird auf über hundert Millionen Dollar geschätzt: Diamanten, Gold, Schmuck, Bargeld. Der größte Teil davon ist bis heute verschwunden. Es war einer der größten Diebstähle der Geschichte, und niemand hatte etwas gehört.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Leonardo Notarbartolo und die „School of Turin“
  • Der Coup: Diebstahl aus dem als unknackbar geltenden Tresor des Antwerpener Diamantenzentrums
  • Schauplatz: Antwerpen, Belgien
  • Jahr: 2003
  • Beute: geschätzt über 100 Millionen Dollar, größtenteils nie gefunden
  • Was danach geschah: aufgeflogen durch weggeworfenen Müll, Notarbartolo verurteilt

Gescheitert an einem Brötchen

Der perfekte Coup hatte nur einen Fehler, und der lag nicht im Tresor, sondern im Wald. Beim Entsorgen der Beweise landete ein Teil des Mülls an einem Feldweg in Belgien. Dummerweise gehörte das Grundstück einem Mann, der Umweltsünder hasste und den Unrat durchsah. Zwischen Quittungen und Umschlägen mit der Adresse des Diamantenzentrums fand sich ein halb gegessenes Brötchen. An dem klebte eine DNA-Spur, die zu Notarbartolo führte.

So kam die Polizei der Bande auf die Schliche. Notarbartolo wurde gefasst und verurteilt, die meisten Diamanten aber blieben verschwunden. Später erzählte er der Presse eine eigene, verwinkelte Version der Geschichte, an der bis heute gezweifelt wird. Sicher ist nur die schöne Pointe: Was die Sicherheitssysteme nicht schafften, gelang am Ende einem weggeworfenen Brötchen.

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Der Fälscher, der beweisen musste, dass er fälscht

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Han van Meegeren wollte gefeiert werden, doch die Kritiker zerrissen ihn. Zu altmodisch, zu wenig eigen, ein Maler von gestern. Für einen ehrgeizigen Künstler in den Niederlanden der 1930er Jahre war das ein Urteil, das wehtat. Van Meegeren beschloss, sich zu rächen, und zwar auf die eleganteste Art, die einem Maler einfällt: Er würde beweisen, dass genau diese Experten keine Ahnung hatten.

Sein Plan war so verwegen wie geduldig. Er wollte einen Vermeer fälschen, den größten Meister seines Landes, und ihn den Fachleuten als echt unterschieben. Gelänge das, wäre nicht er der Blamierte, sondern die Kunstwelt, die ihn abgeschrieben hatte.

Ein Meisterwerk, das keiner kannte

Van Meegeren ging die Sache an wie ein Wissenschaftler. Er kaufte alte, wertlose Gemälde aus der richtigen Epoche, um echte Leinwand und alte Rahmen zu haben. Er mischte seine Farben nach alten Rezepten und fand einen Weg, die frische Farbe im Ofen so zu härten, dass sie Jahrhunderte alt wirkte, samt der feinen Rissschicht, die echte alte Bilder haben. Dann malte er kein bekanntes Vermeer-Motiv nach, sondern erfand ein neues: eine religiöse Szene, wie man sie von Vermeer bisher nicht kannte. So konnte niemand vergleichen und behaupten, das Original hänge doch woanders.

Das Ergebnis, „Die Emmausjünger“, wurde 1937 als Sensation gefeiert. Einer der angesehensten Kunstkenner des Landes erklärte es zum vielleicht schönsten Vermeer überhaupt. Das Bild kam für eine gewaltige Summe in ein Museum. Van Meegeren hatte gewonnen, nur wusste es keiner außer ihm.

Die Rache wird zum Geschäft

Und hier zeigte sich der Mensch. Statt sich still zu freuen, machte van Meegeren weiter. Aus der einmaligen Rache wurde ein Geschäft. Er fälschte weitere Vermeer und verkaufte sie für ein Vermögen. Der verspottete Maler war plötzlich reich, gefeiert von genau den Leuten, die ihn nie ernst genommen hatten. Der Triumph über seine Kritiker hätte ihm genügen müssen. Doch die Gier war stärker.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Han van Meegeren, verkannter Maler und Meisterfälscher
  • Der Coup: gefälschte Vermeer, die als verschollene Meisterwerke gefeiert wurden
  • Schauplatz: Niederlande
  • Jahr: 1937 bis 1947
  • Wichtigstes Werkzeug: alte Leinwände, ein Ofen und die Eitelkeit der Experten
  • Was danach geschah: musste seine eigene Fälschung beweisen, wurde zum Publikumsliebling, starb 1947

Das unglaublichste Geständnis der Kunstgeschichte

Nach dem Krieg holte ihn seine eigene Meisterschaft ein. Einer seiner falschen Vermeer wurde zurückverfolgt, und man warf ihm vor, ein nationales Kulturgut außer Landes verkauft zu haben, ein schweres Verbrechen, auf das eine harte Strafe stand. Van Meegeren stand vor einer bitteren Wahl: als Verräter dastehen oder die Wahrheit sagen, die ihm niemand glauben würde.

Er entschied sich für die Wahrheit und behauptete das Unfassbare: Das gefeierte Meisterwerk sei gar kein Vermeer, sondern seine eigene Fälschung. Niemand glaubte ihm. Also tat er das Einzige, was übrig blieb. Unter Aufsicht malte er einen neuen Vermeer, Pinselstrich für Pinselstrich, vor den Augen der Fachleute. Am Ende mussten sie zugeben, was jahrelang undenkbar gewesen war: Sie waren einem Maler auf den Leim gegangen, den sie selbst für unbegabt erklärt hatten.

Aus dem angeblichen Verräter wurde über Nacht ein Publikumsliebling, der Mann, der die hochnäsige Kunstwelt vorgeführt hatte. Wegen der Fälschungen wurde er dennoch verurteilt, zu einem Jahr Haft. Antreten musste er sie nicht mehr: Han van Meegeren starb 1947, wenige Wochen nach dem Urteil. Seine größte Leistung war am Ende keine Fälschung, sondern der Vermeer, den er vor den Augen der Fachleute malte, um sich selbst zu überführen.

Passend zum Fall

Lust, selbst einmal einen alten Meister nachzumalen, ganz legal und ohne Gerichtsverfahren? Mit Malen nach Zahlen wirst du für einen Abend zum Kunstfälscher.

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Der Mann, den kein Gefängnis halten konnte

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London im Jahr 1724 hatte einen neuen Star, und der saß im Gefängnis. Jedenfalls meistens. Jack Sheppard war Anfang zwanzig, gelernter Tischler, klein, drahtig und ein miserabler Verbrecher, wenn man den Erfolg an der Beute misst. Er stahl Kleinigkeiten, wurde oft erwischt und landete regelmäßig hinter Gittern. Nur blieb er dort nie lange.

Was Sheppard von anderen Dieben unterschied, war nicht die Gier, sondern das Handwerk. Als gelernter Tischler kannte er Türen, Schlösser, Balken und Mauerwerk. Und er hatte keine Angst vor Höhe, Enge oder der langen Nacht, die ein Ausbruch braucht. Gewalt gehörte nicht dazu. Sheppard schlug niemanden nieder, er verschwand einfach.

Vier Gefängnisse, vier offene Türen

Sein erster Ausbruch führte ihn durch die Decke einer Zelle. Beim zweiten Mal feilte er sich mit seiner Gefährtin durch die Gitter und ließ sich an zusammengeknoteten Laken hinab. Jedes Mal wurde die Geschichte in London ein Stück größer, und mit ihr der Ärger der Obrigkeit. Denn Sheppard machte die Wärter, die Richter und die ganze Ordnung lächerlich, und das Publikum liebte ihn dafür.

Verraten wurde er von Jonathan Wild, dem selbsternannten „Dieb-Fänger von England“, der in Wahrheit ein doppeltes Spiel trieb: Er lieferte kleine Diebe ans Messer und kassierte die Belohnung, während er selbst ein Verbrechernetz führte. Wild sorgte dafür, dass Sheppard in Newgate landete, dem gefürchtetsten Gefängnis der Stadt.

Der Ausbruch, der ihn unsterblich machte

In Newgate legte man ihn in schwere Eisen und sperrte ihn in einen besonders gesicherten Raum. Es half nichts. Sheppard befreite sich aus den Fesseln, arbeitete sich durch sechs verriegelte Türen und Kammern, kletterte aufs Dach und ließ sich mit einer Decke in die Freiheit hinab. Ein Ausbruch, den Fachleute später für kaum möglich hielten. Als man ihn kurz darauf wieder fasste, war er längst eine Legende. Der Maler Sir James Thornhill kam ins Gefängnis, um ihn zu porträtieren, und die Menschen standen Schlange, um den kleinen Mann zu sehen, der sechs Türen bezwungen hatte.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Jack Sheppard, gelernter Tischler und Dieb
  • Der Coup: viermal aus dem Gefängnis ausgebrochen, zuletzt angekettet aus Newgate
  • Schauplatz: London
  • Jahr: 1724
  • Wichtigstes Werkzeug: Geschick, Tischlerhände und starke Nerven
  • Was danach geschah: mit 22 Jahren gehängt, wurde zur Legende und inspirierte Brechts Mackie Messer

Vom Galgen auf die Bühne

Das Ende war weniger heiter. Im November 1724 wurde Sheppard in Tyburn gehängt, mit gerade einmal 22 Jahren. Zur Hinrichtung kamen angeblich zweihunderttausend Menschen, ein Viertel der damaligen Stadt. Er hatte sogar noch einen letzten Fluchtplan, ein Messer im Ärmel, doch diesmal kam er nicht dazu.

Sheppard war tot, seine Geschichte nicht. Seine Geschichte wurde zum Stoff für Bücher, Balladen und Bühnen. Vier Jahre nach seinem Tod schrieb John Gay „The Beggar’s Opera“, deren charmanter Verbrecher Macheath von Figuren wie Sheppard inspiriert ist. Und aus dieser Bettleroper machten Bertolt Brecht und Kurt Weill zweihundert Jahre später „Die Dreigroschenoper“, mit dem berühmtesten aller sympathischen Gauner: Mackie Messer. So gesehen hat Jack Sheppard seinen letzten Ausbruch doch noch geschafft, mitten hinein in die Kulturgeschichte.

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Der Bankraub, bei dem niemand zu Schaden kam

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Im Sommer 1976 hatte die Société Générale in Nizza ein Problem, von dem sie noch nichts wusste. Unter ihrem Tresorraum, in dem Hunderte Kunden ihre Schließfächer mit Schmuck, Bargeld und Dokumenten wähnten, war jemand am Graben. Der Mann hieß Albert Spaggiari, war Fotograf, ehemaliger Fallschirmjäger und hatte eine Schwäche für große Gesten.

Spaggiari hatte den wunden Punkt der Bank gefunden: Der Tresorraum galt als uneinnehmbar von oben, war aber von unten kaum gesichert. Direkt darunter verlief die Kanalisation von Nizza. Von dort ließ sich der Rest mit Geduld und einer Schaufel erledigen.

Zwei Monate graben für ein Wochenende

Über Wochen buddelte Spaggiaris Bande einen rund acht Meter langen Tunnel vom Abwasserkanal bis unter den Tresorraum. Bevor sie zuschlugen, machten sie der Legende nach eine Probe der besonderen Art und schoben einen Wecker in den Raum, um zu prüfen, ob ein Geräusch Alarm auslöst. Es tat sich nichts. Der Tresor war gegen vieles gesichert, nur nicht gegen Männer, die von unten kamen.

Sie warteten das lange Wochenende des Nationalfeiertags ab. Die Bank geschlossen, die Stadt im Feiertagsmodus. In der Nacht brachen sie durch den Boden des Tresorraums, und dann taten sie das, was ihnen alle Zeit der Welt verschaffte: Sie verbarrikadierten die schwere Tür von innen. Von außen kam niemand rein, und sie hatten zwei volle Tage ungestört Zeit.

Wein, Pastete und ein guter Spruch

Was folgte, war weniger Raubüberfall als geduldige Fleißarbeit. Die Bande öffnete Schließfach um Schließfach, mehrere Hundert insgesamt. Die Beute wird auf mehrere Millionen Francs geschätzt, genaue Zahlen kennt bis heute niemand, weil nicht jeder Bestohlene gern zugab, was in seinem Fach lag. Zwischendurch gönnten sich die Männer eine Pause, mit Wein und Pastete, mitten im Tresor.

Als sie fertig waren, verschwanden sie durch ihren Tunnel zurück in die Kanalisation. Zurück ließen sie kein Blut, keine Verletzten, keinen Schaden an Menschen. Nur einen Satz, den sie an die Wand geschrieben haben sollen und der bis heute mit dem Fall verbunden ist: ohne Waffen, ohne Hass, ohne Gewalt.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Albert Spaggiari, Fotograf und ehemaliger Fallschirmjäger
  • Der Coup: Tunnel durch die Kanalisation in den Tresorraum der Société Générale
  • Schauplatz: Nizza
  • Jahr: 1976
  • Beute: geschätzt mehrere Millionen Francs
  • Was danach geschah: gefasst, dann spektakulär aus dem Gericht geflüchtet, nie wieder gefasst

Der Absprung durchs Fenster

So sauber der Coup war, unsichtbar blieb Spaggiari nicht. Über einen Mitwisser kam die Polizei ihm auf die Spur, und im Oktober 1976 wurde er gefasst. Doch die beste Szene hob er sich fürs Gericht auf. Während einer Vernehmung im Büro des Untersuchungsrichters näherte er sich dem Fenster und sprang. Er landete auf einem geparkten Auto, von dort auf ein wartendes Motorrad, und weg war er.

Spaggiari wurde nie wieder gefasst. Er lebte jahrelang unter falschem Namen im Ausland, meldete sich gelegentlich mit Briefen und Interviews und pflegte genüsslich sein Image als Gentleman-Gauner. 1989 starb er an Krebs. Der Mann, der durch die Kanalisation kam und durchs Fenster ging, blieb bis zum Schluss seinem Stil treu.

Passend zum Fall

Selbst mal einen Tresor knacken, ganz ohne Kanalisation? Dann ist eine Escape-Room-Box für zuhause genau dein Ding.

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