Die cleversten Gauner der Geschichte

Kategorie: Meister-Diebe & Coups

Der Spiderman von Paris und die Bilder, die niemand wiedersah

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In der Nacht auf den 20. Mai 2010 schlief Paris, und im Museum für moderne Kunst der Stadt hingen Werke im Wert von über hundert Millionen an den Wänden. Am Morgen fehlten fünf davon. Kein aufgebrochener Tresor, keine zerschossene Tür, kein Schuss, kein Zeuge. Nur leere Rahmen und ein Fenster, das jemand geöffnet hatte. Der Mann, der dafür sorgte, hieß Vjeran Tomic, und die Presse gab ihm später einen Namen, der hängen blieb: der Spiderman von Paris.

Den Spitznamen hatte er sich verdient. Tomic kletterte an Fassaden hoch, an denen andere nicht einmal einen Halt sahen. Einbrüche in obere Stockwerke, über Dächer, an glatten Wänden, das war seine Handschrift. In dieser Nacht brauchte er nicht einmal seine spektakulärsten Kunststücke. Er durchtrennte das Vorhängeschloss an einem Gitter, löste vorsichtig eine Fensterscheibe heraus und stieg ein. Ganz allein.

Ein Alarm, der schwieg

Was den Coup erst möglich machte, klingt fast zu banal für einen Raub dieser Größe: Die Alarmanlage des Museums war kaputt. Nicht erst seit Kurzem, sondern seit Wochen, und sie wartete noch immer auf ihre Reparatur. Die Bewegungsmelder, die einen Eindringling hätten verraten müssen, meldeten nichts. Wachen waren im Haus, doch sie bemerkten von alldem nichts. Tomic konnte sich in Ruhe durch die dunklen Säle bewegen, während in der Technik alles still blieb, was hätte anschlagen müssen.

Eigentlich war sein Auftrag klein. Ein Kunsthändler hatte ihn auf ein einziges Bild angesetzt, ein Stillleben von Fernand Léger. Doch als klar wurde, dass kein Alarm losging und ihn niemand störte, wuchs der Appetit. Tomic nahm einfach mit, was ihm gefiel. Am Ende trug er fünf Meisterwerke aus dem Haus: Picassos „Taube mit grünen Erbsen“, Matisse’ „Pastorale“, einen Braque, einen Modigliani und den Léger, für den er gekommen war. Zusammen war das einer der größten Kunstraube der Geschichte, der größte, den Frankreich je gesehen hat.

Und dann verschwanden die Bilder

Ein Coup ist das eine, das Danach das andere. Genau hier nimmt die Geschichte ihre bitterste Wendung. Tomic hatte zwei Mittäter: den Kunsthändler, der den Auftrag für den Léger gegeben hatte, und einen Uhrenhändler namens Yonathan Birn, der die Bilder verstecken sollte. Über sie kamen die Ermittler Tomic schließlich auf die Spur.

2017 standen alle drei vor Gericht. Tomic wurde zu acht Jahren Haft verurteilt, seine beiden Mittäter zu sieben und sechs Jahren, dazu Schadenersatz von rund hundertvier Millionen Euro. Doch die eine Frage, die alle bewegte, blieb offen: Wo sind die fünf Gemälde?

Birns Antwort ließ den Gerichtssaal erstarren. Unter Tränen sagte er dreimal denselben Satz: Er habe die Bilder in einen Müllcontainer geworfen. Aus Panik, als er glaubte, die Polizei sei ihm dicht auf den Fersen, habe er Werke von Picasso, Matisse, Braque, Modigliani und Léger einfach in den Abfall gegeben und sie so von der Müllabfuhr abholen lassen. Rund hundert Millionen, entsorgt wie alter Kram.

Geglaubt hat es ihm kaum jemand. Seine Mitangeklagten hielten ihn für viel zu clever, um solche Schätze zu vernichten. Und die Ermittler sind bis heute überzeugt, dass die Bilder gar nicht im Müll landeten, sondern längst ins Ausland geschafft wurden. Beweisen konnte es niemand. So bleibt der größte Kunstraub Frankreichs bis heute ungelöst: fünf Meisterwerke, spurlos verschwunden, und niemand weiß, ob sie in einer Müllpresse endeten oder irgendwo auf der Welt an einer fremden Wand hängen.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Vjeran Tomic, genannt der „Spiderman von Paris“
  • Der Coup: stieg allein durch ein Fenster ins Museum und nahm fünf Meisterwerke mit
  • Schauplatz: Museum für moderne Kunst der Stadt Paris
  • Jahr: 2010
  • Beute: Bilder von Picasso, Matisse, Braque, Modigliani und Léger, Wert rund 100 Millionen
  • Was danach geschah: 2017 zu acht Jahren Haft verurteilt; die Bilder sind bis heute verschwunden

Passend zum Fall

Wer wissen will, wie dieser Mann wirklich tickte und was hinter dem größten Kunstraub Frankreichs steckt, liest die ganze Geschichte am besten am Stück. Sie liest sich wie ein Krimi und ist trotzdem wahr.

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Der unknackbare Tresor und das halbe Brötchen

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Im Diamantenviertel von Antwerpen lagerten die Reichen ihre Schätze im Tresorraum des Diamantenzentrums, der als einer der sichersten der Welt galt. Zwei Stockwerke unter der Erde, hinter einer Stahltür mit einem Schloss, das hundert Millionen Kombinationen kannte, gesichert durch Wärmesensoren, Bewegungsmelder, ein Magnetfeld an der Tür und Wachen rund um die Uhr. Wer hier ein Schließfach mietete, hielt sein Eigentum für unantastbar.

Leonardo Notarbartolo sah das anders, und seine stärkste Waffe war kein Werkzeug, sondern Vertrauen. Der Italiener hatte sich über Jahre, als Diamantenhändler getarnt, ein Büro im Gebäude gemietet und damit ganz automatisch ein eigenes Schließfach im Tresor sowie einen Ausweis bekommen, der ihm rund um die Uhr Zutritt verschaffte. Als zahlender Mieter durfte er ein und aus gehen, auch in den Tresorraum, ohne dass es irgendjemanden wunderte. So konnte er in aller Ruhe die Abläufe, die Wachen, die Kameras und die Sensoren studieren, eine winzige Kamera anbringen und den Wärmemelder präparieren. An einem originalgetreu nachgebauten Tresor soll die Bande den Einbruch vorab geübt haben, und die Überwachungsbänder des Gebäudes tauschte sie gegen präparierte Aufnahmen, damit von alldem nichts festgehalten wurde. Am Ende kannte Notarbartolo das angeblich uneinnehmbare System besser als mancher, der es gebaut hatte.

Ein Wochenende, jedes System ausgetrickst

An einem Wochenende im Februar 2003 schlug die Bande zu, die von den Ermittlern später „School of Turin“ getauft wurde. Den schwersten Brocken hatte sie da längst geknackt. Über Monate hatte eine winzige, versteckte Kamera jede Eingabe am Zahlenschloss der Tresortür aufgezeichnet und so die vollständige Kombination verraten. Den Code kannten die Diebe also auswendig, bevor sie ihn zum ersten Mal selbst eintippten. Blieben die Sicherheitssysteme im Inneren des Tresorraums. Den Infrarotmelder, der jede Körperwärme aufspüren sollte, klebten sie mit einer Styroporplatte zu und überzogen ihn mit Haarspray und Vaseline, bis er für ihre Wärme blind war. Den Magnetkontakt an der tonnenschweren Stahltür, der bei jeder Öffnung hätte anschlagen müssen, überbrückten sie mit einer eigens gebauten Aluminiumplatte, sodass die Anlage brav weitermeldete: Tür zu, alles ruhig. So arbeiteten sie sich durch einen der sichersten Tresorräume der Welt, während ringsum jede Technik behauptete, es sei nichts geschehen. Millionenteure Hochsicherheit, ausgehebelt mit einer versteckten Kamera, einer Platte Styropor und einer Dose Haarspray.

Im Tresorraum öffneten sie mehr als hundert der knapp zweihundert Schließfächer. Was sie heraustrugen, wird auf über hundert Millionen Dollar geschätzt: Diamanten, Gold, Schmuck, Bargeld. Der größte Teil davon ist bis heute verschwunden. Es war einer der größten Diebstähle der Geschichte, und niemand hatte etwas gehört.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Leonardo Notarbartolo und die „School of Turin“
  • Der Coup: Diebstahl aus dem als unknackbar geltenden Tresor des Antwerpener Diamantenzentrums
  • Schauplatz: Antwerpen, Belgien
  • Jahr: 2003
  • Beute: geschätzt über 100 Millionen Dollar, größtenteils nie gefunden
  • Was danach geschah: aufgeflogen durch weggeworfenen Müll, Notarbartolo verurteilt

Gescheitert an einem Brötchen

Der perfekte Coup hatte nur einen Fehler, und der lag nicht im Tresor, sondern im Wald. Beim Entsorgen der Beweise landete ein Teil des Mülls an einem Feldweg in Belgien. Dummerweise gehörte das Grundstück einem Mann, der Umweltsünder hasste und den Unrat durchsah. Zwischen Quittungen und Umschlägen mit der Adresse des Diamantenzentrums fand sich ein halb gegessenes Brötchen. An dem klebte eine DNA-Spur, die zu Notarbartolo führte.

So kam die Polizei der Bande auf die Schliche. Notarbartolo wurde gefasst und verurteilt, die meisten Diamanten aber blieben verschwunden. Später erzählte er der Presse eine eigene, verwinkelte Version der Geschichte, an der bis heute gezweifelt wird. Sicher ist nur die schöne Pointe: Was die Sicherheitssysteme nicht schafften, gelang am Ende einem weggeworfenen Brötchen.

Mehr zum Fall

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Der Bankraub, bei dem niemand zu Schaden kam

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Im Sommer 1976 hatte die Société Générale in Nizza ein Problem, von dem sie noch nichts wusste. Unter ihrem Tresorraum, in dem Hunderte Kunden ihre Schließfächer mit Schmuck, Bargeld und Dokumenten wähnten, war jemand am Graben. Der Mann hieß Albert Spaggiari, war Fotograf, ehemaliger Fallschirmjäger und hatte eine Schwäche für große Gesten.

Spaggiari hatte den wunden Punkt der Bank gefunden: Der Tresorraum galt als uneinnehmbar von oben, war aber von unten kaum gesichert. Direkt darunter verlief die Kanalisation von Nizza. Von dort ließ sich der Rest mit Geduld und einer Schaufel erledigen.

Zwei Monate graben für ein Wochenende

Über Wochen buddelte Spaggiaris Bande einen rund acht Meter langen Tunnel vom Abwasserkanal bis unter den Tresorraum. Bevor sie zuschlugen, machten sie der Legende nach eine Probe der besonderen Art und schoben einen Wecker in den Raum, um zu prüfen, ob ein Geräusch Alarm auslöst. Es tat sich nichts. Der Tresor war gegen vieles gesichert, nur nicht gegen Männer, die von unten kamen.

Sie warteten das lange Wochenende des Nationalfeiertags ab. Die Bank geschlossen, die Stadt im Feiertagsmodus. In der Nacht brachen sie durch den Boden des Tresorraums, und dann taten sie das, was ihnen alle Zeit der Welt verschaffte: Sie verbarrikadierten die schwere Tür von innen. Von außen kam niemand rein, und sie hatten zwei volle Tage ungestört Zeit.

Wein, Pastete und ein guter Spruch

Was folgte, war weniger Raubüberfall als geduldige Fleißarbeit. Die Bande öffnete Schließfach um Schließfach, mehrere Hundert insgesamt. Die Beute wird auf mehrere Millionen Francs geschätzt, genaue Zahlen kennt bis heute niemand, weil nicht jeder Bestohlene gern zugab, was in seinem Fach lag. Zwischendurch gönnten sich die Männer eine Pause, mit Wein und Pastete, mitten im Tresor.

Als sie fertig waren, verschwanden sie durch ihren Tunnel zurück in die Kanalisation. Zurück ließen sie kein Blut, keine Verletzten, keinen Schaden an Menschen. Nur einen Satz, den sie an die Wand geschrieben haben sollen und der bis heute mit dem Fall verbunden ist: ohne Waffen, ohne Hass, ohne Gewalt.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Albert Spaggiari, Fotograf und ehemaliger Fallschirmjäger
  • Der Coup: Tunnel durch die Kanalisation in den Tresorraum der Société Générale
  • Schauplatz: Nizza
  • Jahr: 1976
  • Beute: geschätzt mehrere Millionen Francs
  • Was danach geschah: gefasst, dann spektakulär aus dem Gericht geflüchtet, nie wieder gefasst

Der Absprung durchs Fenster

So sauber der Coup war, unsichtbar blieb Spaggiari nicht. Über einen Mitwisser kam die Polizei ihm auf die Spur, und im Oktober 1976 wurde er gefasst. Doch die beste Szene hob er sich fürs Gericht auf. Während einer Vernehmung im Büro des Untersuchungsrichters näherte er sich dem Fenster und sprang. Er landete auf einem geparkten Auto, von dort auf ein wartendes Motorrad, und weg war er.

Spaggiari wurde nie wieder gefasst. Er lebte jahrelang unter falschem Namen im Ausland, meldete sich gelegentlich mit Briefen und Interviews und pflegte genüsslich sein Image als Gentleman-Gauner. 1989 starb er an Krebs. Der Mann, der durch die Kanalisation kam und durchs Fenster ging, blieb bis zum Schluss seinem Stil treu.

Passend zum Fall

Selbst mal einen Tresor knacken, ganz ohne Kanalisation? Dann ist eine Escape-Room-Box für zuhause genau dein Ding.

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