Die cleversten Gauner der Geschichte

Monat: Juli 2026

Wie eine gebrauchte Uniform eine ganze Stadt regierte

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Wilhelm Voigt hatte 1906 ein Problem, das viele kennen: Er brauchte Papiere. Der Schuster hatte einen großen Teil seines Lebens im Gefängnis verbracht, fand als Vorbestrafter keine Arbeit und bekam keinen Pass. Ohne Pass keine Arbeit, ohne Arbeit kein geregeltes Leben. Ein Kreislauf, aus dem er auf legalem Weg nicht herauskam. Also wählte er einen anderen Weg, und der bestand aus Stoff und Messing.

Voigt kaufte sich in verschiedenen Trödelläden Stück für Stück die gebrauchte Uniform eines preußischen Hauptmanns zusammen. Sie passte nicht perfekt, aber das musste sie auch nicht. Denn Voigt hatte begriffen, was im Preußen dieser Zeit wirklich zählte: nicht der Mensch in der Uniform, sondern die Uniform selbst.

Ein Kommando, dem niemand widersprach

Am 16. Oktober 1906 zog er die Montur an, stellte sich auf die Straße und tat schlicht so, als hätte er das Sagen. Er sprach eine Gruppe Soldaten an, die gerade vom Dienst kam, befahl ihnen, ihm zu folgen, und die Soldaten gehorchten. Ein Hauptmann befahl, also folgte man. Niemand fragte nach einem schriftlichen Auftrag. Mit seiner kleinen Truppe fuhr Voigt in die Kleinstadt Köpenick bei Berlin, besetzte das Rathaus, ließ den Bürgermeister „wegen Unregelmäßigkeiten“ festsetzen und beschlagnahmte die Stadtkasse, rund 3.557 Mark. Er stellte sogar eine Empfangsbestätigung aus.

Die eigentliche Ironie: Voigt suchte einen Pass. Köpenick hatte aber gar kein Passamt. Er hatte eine ganze Stadt übernommen und fand trotzdem nicht das eine Dokument, wegen dem er die Sache überhaupt angefangen hatte. Er nahm das Geld, schickte die Soldaten mit dem Befehl weg, den Ort eine halbe Stunde zu bewachen, und verschwand in der Menge.

Der Kaiser lachte

Zehn Tage später wurde Voigt gefasst. Was dann geschah, hätte er sich nicht besser ausdenken können. Die Geschichte lief durch die Zeitungen der ganzen Welt, und alle sahen dasselbe darin: einen kleinen Mann, der die blinde Uniformgläubigkeit des Kaiserreichs mit deren eigenen Mitteln vorführte. Selbst Kaiser Wilhelm II. soll herzlich gelacht und Voigt einen „genialen Kerl“ genannt haben. Nach zwei Jahren wurde er auf Anordnung des Kaisers begnadigt.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Wilhelm Voigt, arbeitsloser Schuster
  • Der Coup: Besetzung des Rathauses Köpenick mit geliehener Autorität
  • Schauplatz: Köpenick bei Berlin
  • Jahr: 1906
  • Wichtigstes Werkzeug: eine zusammengekaufte Hauptmannsuniform
  • Was danach geschah: nach zwei Jahren vom Kaiser begnadigt, danach als Attraktion gefeiert

Aus dem Gauner wurde ein Star. Voigt trat auf Jahrmärkten und in Varietés auf, ließ sich in Uniform fotografieren und verkaufte Autogramme. Der Schriftsteller Carl Zuckmayer machte aus dem Stoff später das Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“, das bis heute gespielt und verfilmt wird. Voigt selbst wollte nie ein Held sein. Er wollte nur einen Pass. Am Ende bekam er stattdessen etwas, das er sich nie hätte kaufen können: einen Platz in der Geschichte, ausgerechnet dafür, dass er die deutsche Autoritätshörigkeit an einem einzigen Nachmittag lächerlich machte.

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Wie ein Handwerker die Mona Lisa unter dem Kittel aus dem Louvre trug

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Am Montag, dem 21. August 1911, war der Louvre für Besucher geschlossen. Nur Personal war im Haus, und dazwischen ein kleiner italienischer Handwerker namens Vincenzo Peruggia. Er kannte das Museum gut, denn er hatte selbst dort gearbeitet und unter anderem die Schutzkästen für die Gemälde mitgebaut. Auch für die Mona Lisa. Er wusste also genau, wie man sie von der Wand nimmt.

Peruggia hängte das Bild ab, trug es in ein Treppenhaus, löste es aus dem schweren Rahmen und dem Glaskasten und steckte die nackte Holztafel unter seinen weißen Arbeitskittel. Dann ging er zum Ausgang. Eine Tür klemmte, ein herbeigerufener Klempner half ihm sogar, sie zu öffnen. So spazierte er mit dem berühmtesten Gemälde der Welt unter dem Arm auf die Straße.

28 Stunden, bis es überhaupt jemand merkte

Das Verblüffende ist nicht der Diebstahl. Es ist, wie lange niemand ihn bemerkte. Erst am nächsten Tag fiel einem Maler auf, dass an der Wand nur noch vier Haken hingen. Das Personal hatte angenommen, das Bild sei zum Fotografieren abgehängt worden. Als die Wahrheit feststand, schloss der Louvre für eine Woche, und ganz Frankreich stand kopf. Die Grenzen wurden kontrolliert, Bahnhöfe durchsucht, und für kurze Zeit gerieten sogar der Dichter Guillaume Apollinaire und ein junger Maler namens Pablo Picasso unter Verdacht. Beide hatten mit der Sache nichts zu tun.

Peruggia hatte die Mona Lisa unterdessen in seiner schäbigen Pariser Wohnung. Er bewahrte sie in einem Koffer mit doppeltem Boden auf, unter seinem eigenen Bett. Zwei Jahre lang. Die Polizei hatte ihn sogar befragt, weil er früher im Louvre gearbeitet hatte, und ihn wieder gehen lassen.

Patriot oder einfach ungeduldig?

Peruggia erzählte später, er habe das Bild nach Italien „heimholen“ wollen, dorthin, wo Leonardo es gemalt hatte. Eine schöne Geschichte, die ihm viel Sympathie einbrachte. Nur stimmte sie nicht ganz. Denn 1913 schrieb er an einen Kunsthändler in Florenz, Alfredo Geri, und bot das Bild gegen eine hohe Summe an. Geri und der Direktor der Uffizien spielten mit, ließen sich das Gemälde zeigen, bestätigten die Echtheit und riefen die Polizei. Peruggia wartete im Hotelzimmer auf sein Geld und bekam stattdessen Handschellen.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Vincenzo Peruggia, italienischer Anstreicher und Glaser
  • Der Coup: Diebstahl der Mona Lisa aus dem Louvre
  • Schauplatz: Paris, später Florenz
  • Jahr: 1911 bis 1913
  • Wichtigstes Werkzeug: Insiderwissen und ein weißer Arbeitskittel
  • Was danach geschah: gut sieben Monate Haft, in Italien als halber Volksheld gefeiert

In Italien behandelte man ihn beinahe wie einen Nationalhelden. Das Gericht verurteilte ihn zu etwas mehr als einem Jahr, im Berufungsverfahren wurde die Strafe auf gut sieben Monate gekürzt. Die Mona Lisa reiste als Star durch italienische Museen und kehrte dann nach Paris zurück. Die eigentliche Pointe: Vor dem Diebstahl war das Bild ein geschätztes Werk unter vielen. Erst der Raub, die Schlagzeilen und die zwei Jahre unter dem Bett machten es zum berühmtesten Gemälde der Welt. Peruggia wollte es stehlen. Stattdessen hat er es unsterblich gemacht.

Mehr zum Fall

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Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte. Zweimal

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Im Frühjahr 1925 las Victor Lustig in einer Pariser Zeitung eine kleine Notiz: Der Eiffelturm sei in schlechtem Zustand, die Stadt wisse nicht recht, ob sich die teure Instandhaltung noch lohne. Ein normaler Leser überblättert das. Lustig sah darin einen Geschäftsplan.

Er ließ sich amtliches Briefpapier drucken, gab sich als stellvertretender Generaldirektor des Post- und Telegrafenministeriums aus und lud fünf der größten Schrotthändler von Paris zu einer streng vertraulichen Besprechung in ein feines Hotel. Die Botschaft: Der Turm werde abgerissen, 7.000 Tonnen Eisen stünden zum Verkauf, und weil die Sache politisch heikel sei, müsse alles diskret laufen. Die Geheimhaltung war kein Zufall, sondern der eigentliche Trick. Wer nicht nachfragen darf, prüft auch nicht nach.

Warum die Diskretion die halbe Miete war

Einer der Händler, André Poisson, biss an. Lustig erkannte in ihm den perfekten Kandidaten: ein Aufsteiger, der in der Pariser Geschäftswelt noch nicht dazugehörte und sich beweisen wollte. Als Poisson zögerte, drehte Lustig den Spieß um. Er gestand ihm „unter vier Augen“, dass er als Beamter schlecht bezahlt sei und ein kleines Zubrot erwarte. Ein Bestechungsgeld. Genau das überzeugte Poisson endgültig. Ein korrupter Beamter wirkte in seinen Augen echter als ein sauberer.

Poisson zahlte für das Eisen und legte das Schmiergeld obendrauf. Lustig steckte beides ein, stieg in den Zug nach Wien und wartete ab. Die Zeitungen schwiegen. Poisson hatte sich so blamiert, dass er nie zur Polizei ging. Für Lustig war das die Bestätigung: Der Coup war sauber. Also kam er nach ein paar Wochen zurück und versuchte es ein zweites Mal, mit einer neuen Runde Schrotthändler. Diesmal ging einer der Auserwählten doch zur Polizei, und Lustig verschwand rechtzeitig Richtung USA.

Ein Handwerker der menschlichen Eitelkeit

Lustig sprach fünf Sprachen, trat wie ein Diplomat auf und verstand sein eigentliches Handwerk nicht als Diebstahl, sondern als Menschenkenntnis. Sein berühmtestes Nebengeschäft war die „rumänische Gelddruckmaschine“, eine hübsche Holzkiste, die angeblich Geldscheine kopierte. In Wahrheit spuckte sie zwei zuvor versteckte echte Scheine aus und danach nur noch leeres Papier. Bis die Käufer das merkten, war Lustig längst über alle Berge.

Selbst Al Capone hat er einmal überlistet, mit einem Trick, den man von einem Betrüger nicht erwartet. Lustig brachte Capone dazu, ihm 50.000 Dollar für ein angebliches Geschäft anzuvertrauen. Statt das Geld anzurühren, legte er es unangetastet in ein Bankschließfach. Nach zwei Monaten ging er zurück, erklärte betrübt, das Geschäft sei geplatzt, und gab die vollen 50.000 Dollar zurück. Capone war von so viel Ehrlichkeit derart gerührt, dass er ihm 5.000 Dollar schenkte. Genau das war der Plan: Das Geschäft gab es nie, das Geld war nur der Köder. Bezahlt wurde Lustig allein für die Geste.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Victor Lustig, geboren 1890 in Böhmen
  • Der Coup: Verkauf des Eiffelturms als Alteisen
  • Schauplatz: Paris, Hotel Crillon
  • Jahr: 1925
  • Wichtigstes Werkzeug: gefälschtes Amtspapier und das Versprechen absoluter Geheimhaltung
  • Was danach geschah: gefasst 1935 in den USA wegen Falschgeld, gestorben 1947 in Alcatraz

Am Ende brachte ihn nicht der Turm zu Fall, sondern eine ganz gewöhnliche Falschgeld-Affäre in den USA. Lustig starb 1947 im Gefängnis von Alcatraz. Auf seinem Totenschein stand als Beruf angeblich „Handelsvertreter“. Das trifft es sogar. Nur dass seine Ware ihm nie gehörte.

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