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Im Diamantenviertel von Antwerpen lagerten die Reichen ihre Schätze im Tresorraum des Diamantenzentrums, der als einer der sichersten der Welt galt. Zwei Stockwerke unter der Erde, hinter einer Stahltür mit einem Schloss, das hundert Millionen Kombinationen kannte, gesichert durch Wärmesensoren, Bewegungsmelder, ein Magnetfeld an der Tür und Wachen rund um die Uhr. Wer hier ein Schließfach mietete, hielt sein Eigentum für unantastbar.

Leonardo Notarbartolo sah das anders, und seine stärkste Waffe war kein Werkzeug, sondern Vertrauen. Der Italiener hatte sich über Jahre, als Diamantenhändler getarnt, ein Büro im Gebäude gemietet und damit ganz automatisch ein eigenes Schließfach im Tresor sowie einen Ausweis bekommen, der ihm rund um die Uhr Zutritt verschaffte. Als zahlender Mieter durfte er ein und aus gehen, auch in den Tresorraum, ohne dass es irgendjemanden wunderte. So konnte er in aller Ruhe die Abläufe, die Wachen, die Kameras und die Sensoren studieren, eine winzige Kamera anbringen und den Wärmemelder präparieren. An einem originalgetreu nachgebauten Tresor soll die Bande den Einbruch vorab geübt haben, und die Überwachungsbänder des Gebäudes tauschte sie gegen präparierte Aufnahmen, damit von alldem nichts festgehalten wurde. Am Ende kannte Notarbartolo das angeblich uneinnehmbare System besser als mancher, der es gebaut hatte.

Ein Wochenende, jedes System ausgetrickst

An einem Wochenende im Februar 2003 schlug die Bande zu, die von den Ermittlern später „School of Turin“ getauft wurde. Den schwersten Brocken hatte sie da längst geknackt. Über Monate hatte eine winzige, versteckte Kamera jede Eingabe am Zahlenschloss der Tresortür aufgezeichnet und so die vollständige Kombination verraten. Den Code kannten die Diebe also auswendig, bevor sie ihn zum ersten Mal selbst eintippten. Blieben die Sicherheitssysteme im Inneren des Tresorraums. Den Infrarotmelder, der jede Körperwärme aufspüren sollte, klebten sie mit einer Styroporplatte zu und überzogen ihn mit Haarspray und Vaseline, bis er für ihre Wärme blind war. Den Magnetkontakt an der tonnenschweren Stahltür, der bei jeder Öffnung hätte anschlagen müssen, überbrückten sie mit einer eigens gebauten Aluminiumplatte, sodass die Anlage brav weitermeldete: Tür zu, alles ruhig. So arbeiteten sie sich durch einen der sichersten Tresorräume der Welt, während ringsum jede Technik behauptete, es sei nichts geschehen. Millionenteure Hochsicherheit, ausgehebelt mit einer versteckten Kamera, einer Platte Styropor und einer Dose Haarspray.

Im Tresorraum öffneten sie mehr als hundert der knapp zweihundert Schließfächer. Was sie heraustrugen, wird auf über hundert Millionen Dollar geschätzt: Diamanten, Gold, Schmuck, Bargeld. Der größte Teil davon ist bis heute verschwunden. Es war einer der größten Diebstähle der Geschichte, und niemand hatte etwas gehört.

Der Kurz-Check

  • Gauner: Leonardo Notarbartolo und die „School of Turin“
  • Der Coup: Diebstahl aus dem als unknackbar geltenden Tresor des Antwerpener Diamantenzentrums
  • Schauplatz: Antwerpen, Belgien
  • Jahr: 2003
  • Beute: geschätzt über 100 Millionen Dollar, größtenteils nie gefunden
  • Was danach geschah: aufgeflogen durch weggeworfenen Müll, Notarbartolo verurteilt

Gescheitert an einem Brötchen

Der perfekte Coup hatte nur einen Fehler, und der lag nicht im Tresor, sondern im Wald. Beim Entsorgen der Beweise landete ein Teil des Mülls an einem Feldweg in Belgien. Dummerweise gehörte das Grundstück einem Mann, der Umweltsünder hasste und den Unrat durchsah. Zwischen Quittungen und Umschlägen mit der Adresse des Diamantenzentrums fand sich ein halb gegessenes Brötchen. An dem klebte eine DNA-Spur, die zu Notarbartolo führte.

So kam die Polizei der Bande auf die Schliche. Notarbartolo wurde gefasst und verurteilt, die meisten Diamanten aber blieben verschwunden. Später erzählte er der Presse eine eigene, verwinkelte Version der Geschichte, an der bis heute gezweifelt wird. Sicher ist nur die schöne Pointe: Was die Sicherheitssysteme nicht schafften, gelang am Ende einem weggeworfenen Brötchen.

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