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Han van Meegeren wollte gefeiert werden, doch die Kritiker zerrissen ihn. Zu altmodisch, zu wenig eigen, ein Maler von gestern. Für einen ehrgeizigen Künstler in den Niederlanden der 1930er Jahre war das ein Urteil, das wehtat. Van Meegeren beschloss, sich zu rächen, und zwar auf die eleganteste Art, die einem Maler einfällt: Er würde beweisen, dass genau diese Experten keine Ahnung hatten.
Sein Plan war so verwegen wie geduldig. Er wollte einen Vermeer fälschen, den größten Meister seines Landes, und ihn den Fachleuten als echt unterschieben. Gelänge das, wäre nicht er der Blamierte, sondern die Kunstwelt, die ihn abgeschrieben hatte.
Ein Meisterwerk, das keiner kannte
Van Meegeren ging die Sache an wie ein Wissenschaftler. Er kaufte alte, wertlose Gemälde aus der richtigen Epoche, um echte Leinwand und alte Rahmen zu haben. Er mischte seine Farben nach alten Rezepten und fand einen Weg, die frische Farbe im Ofen so zu härten, dass sie Jahrhunderte alt wirkte, samt der feinen Rissschicht, die echte alte Bilder haben. Dann malte er kein bekanntes Vermeer-Motiv nach, sondern erfand ein neues: eine religiöse Szene, wie man sie von Vermeer bisher nicht kannte. So konnte niemand vergleichen und behaupten, das Original hänge doch woanders.
Das Ergebnis, „Die Emmausjünger“, wurde 1937 als Sensation gefeiert. Einer der angesehensten Kunstkenner des Landes erklärte es zum vielleicht schönsten Vermeer überhaupt. Das Bild kam für eine gewaltige Summe in ein Museum. Van Meegeren hatte gewonnen, nur wusste es keiner außer ihm.
Die Rache wird zum Geschäft
Und hier zeigte sich der Mensch. Statt sich still zu freuen, machte van Meegeren weiter. Aus der einmaligen Rache wurde ein Geschäft. Er fälschte weitere Vermeer und verkaufte sie für ein Vermögen. Der verspottete Maler war plötzlich reich, gefeiert von genau den Leuten, die ihn nie ernst genommen hatten. Der Triumph über seine Kritiker hätte ihm genügen müssen. Doch die Gier war stärker.
Der Kurz-Check
- Gauner: Han van Meegeren, verkannter Maler und Meisterfälscher
- Der Coup: gefälschte Vermeer, die als verschollene Meisterwerke gefeiert wurden
- Schauplatz: Niederlande
- Jahr: 1937 bis 1947
- Wichtigstes Werkzeug: alte Leinwände, ein Ofen und die Eitelkeit der Experten
- Was danach geschah: musste seine eigene Fälschung beweisen, wurde zum Publikumsliebling, starb 1947
Das unglaublichste Geständnis der Kunstgeschichte
Nach dem Krieg holte ihn seine eigene Meisterschaft ein. Einer seiner falschen Vermeer wurde zurückverfolgt, und man warf ihm vor, ein nationales Kulturgut außer Landes verkauft zu haben, ein schweres Verbrechen, auf das eine harte Strafe stand. Van Meegeren stand vor einer bitteren Wahl: als Verräter dastehen oder die Wahrheit sagen, die ihm niemand glauben würde.
Er entschied sich für die Wahrheit und behauptete das Unfassbare: Das gefeierte Meisterwerk sei gar kein Vermeer, sondern seine eigene Fälschung. Niemand glaubte ihm. Also tat er das Einzige, was übrig blieb. Unter Aufsicht malte er einen neuen Vermeer, Pinselstrich für Pinselstrich, vor den Augen der Fachleute. Am Ende mussten sie zugeben, was jahrelang undenkbar gewesen war: Sie waren einem Maler auf den Leim gegangen, den sie selbst für unbegabt erklärt hatten.
Aus dem angeblichen Verräter wurde über Nacht ein Publikumsliebling, der Mann, der die hochnäsige Kunstwelt vorgeführt hatte. Wegen der Fälschungen wurde er dennoch verurteilt, zu einem Jahr Haft. Antreten musste er sie nicht mehr: Han van Meegeren starb 1947, wenige Wochen nach dem Urteil. Seine größte Leistung war am Ende keine Fälschung, sondern der Vermeer, den er vor den Augen der Fachleute malte, um sich selbst zu überführen.
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